Antifa Café Regensburg http://antifacafergbg.blogsport.de Sun, 21 May 2017 22:26:30 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en [Vortragsreihe] Kapitalismus Forever? – Zur Notwendigkeit marx’scher Ökonomiekritik http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/10/29/vortragsreihe-kapitalismus-forever-zur-notwendigkeit-marxscher-kritik/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/10/29/vortragsreihe-kapitalismus-forever-zur-notwendigkeit-marxscher-kritik/#comments Sat, 29 Oct 2016 14:04:59 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/10/29/vortragsreihe-kapitalismus-forever-zur-notwendigkeit-marxscher-kritik/ Marx

Kapitalismus Forever? – Zur Notwendigkeit marx’scher Ökonomiekritik

Kaum jemand wird in der Linken so häufig zitiert und rezipiert wie Karl Marx. Egal ob es um ein Flugblatt gegen staatliche Repression, einen Text zu aktuellen sozialen Kämpfen oder eine Analyse der derzeitigen ökonomischen Entwicklung geht, ein passendes oder unpassendes Zitat von Marx darf oft nicht fehlen. Mit ihm als Kronzeugen soll dem jeweiligen Unterfangen Legitimität verliehen werden. Trotz dieser zahlreichen Verweise auf Marx tritt die marx‘sche Analyse und Kritik bei aktuellen Debatten häufig in den Hintergrund oder wird bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Statt die marx‘sche Kritik auf die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse zu übertragen wird sie lieber historisiert.

In unserer dreiteiligen Veranstaltungsreihe wollen wir daher der Frage nachgehen welche Aktualität die marx’sche Kritik der politischen Ökonomie heute besitzt. Wie kann eine emanzipatorische Kritik der bestehenden Verhältnisse heute aussehen? Welchen Beitrag kann die marx’sche Analyse
zu aktuellen Debatten leisten? Und wie kann eine materialistische Kritik der Geschlechterverhältnisse im Kapitalismus aussehen?

1. Dezember 2016
Stefan Dietl – „Blame the System!“ – Kleine Einführung in die Kapitalismuskritik

Für die einen „gibt es kein System, das die Armut schneller beseitigt“ (Wirtschaftswoche), und sind sich daher sicher, dass er „alternativlos ist und bleibt“ (Die Welt) und „dass die Menschen die kapitalistische Wirtschaftsordnung lieben“ (FAZ). Für die anderen „ist der Kapitalismus gescheitert“ (attac) und die „Idee des Kapitalismus tot“ (Michael Moore), während die nächsten feststellen das „der Kapitalismus so quicklebendig ist wie nie“ (Spiegel). Doch was ist eigentlich der Kapitalismus von dem alle reden? Welche historischen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen kennzeichnen die kapitalistische Produktionsweise und wie kann eine emanzipatorische Kritik an den bestehenden Verhältnissen aussehen? Stefan Dietl versucht einige grundlegenden Vorstellungen der Marx´schen Kritik der politischen Ökonomie vorzustellen und in Grundbegriffe wie Ware, Wert und die Entstehung des Mehrwert einzuführen. Dabei wird er sich auch mit den regressiven Vorstellungen mancher „Kapitalismuskritiker“ beschäftigen und der Frage nach gehen, ob und wie eine emanzipatorische Aufhebung der kapitalistischen Verhältnisse möglich ist.

Einführend zu dem Thema findet am 16. Dezember ab 14 Uhr ein Workshop statt. Näheres erfahrt ihr bei der Veranstaltung mit Stefan Dietl.

5. Januar 2017
Roland Röder (Aktion 3. Welt Saar) – Fairer Handel – Ist eine bessere Welt käuflich?

Der Faire Handel verspricht, die Welt durch Konsum sozial gerechter zu machen und hat jährlich ein zweistelliges Wachstum. Doch im Rausch der Wachstumskurven geraten zumeist die politischen und ökonomischen Grundlagen aus dem Blick. Kann man eine bessere Welt wirklich kaufen, kann es einen fairen Kapitalismus geben? Genau das unterstellt der Faire Handel: Die Welt werde besser, die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen ein Stückchen gerechter, wenn viele Menschen ‚gerecht‘ kaufen und konsumieren. Dies wird auch von Bundes- und Landesprogramme genährt, die jährlich zweistellige Millionenbeträge an die Fair-Handels-Akteure ausschütten. Die damit geförderte Entpolitisierung wird fürstlich alimentiert.

Der Referent war Redaktionsmitglied der Flugschrift „Fairer Handel – Ist eine bessere Welt käuflich?, die die Aktion 3.Welt Saar gemeinsam mit dem Ökumenischen Netz Rhein-Mosel-Saar (Koblenz) heraus gegeben hat. Die vierseitige Publikation erschien in einer Auflage von 120.000 Ex. und lag u.a. der taz, dem ND und der Jungle World bei. In der Flugschrift werden Erfolge des Fairen Handels benannt, aber auch seine Grenzen. Die HerausgeberInnen kommen aus der Fair-Handels-Praxis. Aber sie teilen nicht die (Wachstums-) Euphorie vieler Fair-Handels-Akteure, weil sie den Fairen Handel im Zusammenhang des ‚Ganzen’ der kapitalistischen Gesellschaft reflektieren. Diese Gesellschaftsformation stößt an die Grenzen ihrer Reproduktionsmöglichkeiten. Dies zeigt sich in den vielfältigen globalen Krisen.

Roland Röder ist Geschäftsführer der Aktion 3.Welt Saar e.V. (www.a3wsaar.de). Die Aktion 3.Welt Saar betreibt einen 3.Welt Laden, sieht aber manches dazu kritisch. Der Referent ist zudem aktiver Fußballfan und Kleingärtner. In der Jungle World schreibt er die Gartenkolumne „Krauts & Rüben. Der letzte linke Kleingärtner“.

2. Februar 2017
Roswitha Scholz – Das Geschlecht des Kapitalismus

Kapitalismus und patriarchales Geschlechterverhältnis sind untrennbar miteinander verbunden. Unterdrückung, Ausgrenzung und Minderbewertung von Frauen sind keine Überbleibsel der Vormoderne, sondern Ausdruck einer spezifisch modernen Geschlechterordnung. Es ist die kapitalistische Warenform selbst, welche ebenso wie Aufklärung, bürgerliche Freiheit und abstrakte Rationalität ohne die Abspaltung und Minderbewertung eines Weiblichen nicht denkbar ist und diese Abspaltung zur stummen Voraussetzung hat. Frauen wird in der kapitalistischen Moderne dabei nicht nur die häusliche Reproduktion zugewiesen, sondern sie werden ebenso zur Projektionsfläche von Eigenschaften wie Emotionalität, Liebesfähigkeit und Verstandesschwäche. Bereits 1999 formulierte Roswitha Scholz einen neuen theoretischen Ansatz zur Analyse des Geschlechterverhältnisses, in dessen Zentrum das Theorem der „Wert-Abspaltung“stand. Damit ist gemeint, dass eben die sozialhistorischen Zuschreibungen des „Weiblichen“ – von Hausarbeit, Kindererziehung bis zur emotionalen Zuwendung – einen von der kapitalistischen Verwertungslogik abgespaltenen Bereich der gesellschaftlichen Reproduktion bilden, der gleichzeitig eine „stumme“ Bedingung und Voraussetzung der modernen Gesellschaften ist.

Dabei stellt Scholz den Mechanismus der Abspaltung sowohl in seinen materiellen als auch in seinen kulturell-symbolischen und sozialpsychologischen Dimensionen dar und zeigt auf, dass diese gesellschaftliche Grundstruktur des Kapitalismus kein starres Gefüge ist, sondern ein historischer Prozess mit verschiedenen Entwicklungsstufen. Gleichzeitig wird der Vortrag auch eine Kritik des „cultural turns“ beinhalten, welcher nach dem Ende des Realsozialismus auch die feministische Theoriebildung erfasst hat und sich in postmoderen Ideologiebildungen niederschlägt.

Alle Vorträge beginnen (pünktlich) um 19 Uhr im LiZe, Dahlienweg 2a. Das Antifa Café hat bereits ab 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

Druck finanziert durch den Solidaritätsfonds der Hans-Böckler-Stiftung

Laut §6 Versammlungsgesetz sind Rechte, Neonazis, deren SympathisantInnen sowie Personen, die in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder nationalistische Äußerungen aufgefallen sind, von der Veranstaltung ausgeschlossen.

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[Vortragsreihe] Das Problem heißt Rassismus http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/08/10/vortragsreihe-das-problem-heisst-rassismus/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/08/10/vortragsreihe-das-problem-heisst-rassismus/#comments Wed, 10 Aug 2016 20:16:31 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/08/10/vortragsreihe-das-problem-heisst-rassismus/ Das Problem heißt Rassismus

Seit 2015 steigen die Übergriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte stark an. Menschenfeindliche Ideologien wie Rassismus, antimuslimische Ressentiments und Antiziganismus sind in der deutschen Mehrheitsgesellschaft weit verbreitet. Phänomene wie PEGIDA oder „Nein zum Heim“-Initiativen finden sich mittlerweile in fast jedem hinterletzten Eck der Republik. Mit der rechten Partei „Alternative für Deutschland“ erhält der wütende Mob seinen parlamentarischen Arm, der die „etablierten“ Parteien vor sich hertreibt und das politische Koordinatensystem deutlich nach rechts verschiebt. Die Verschärfung des ohnehin schon verstümmelten Rechts auf Asyl, Deals mit Staaten wie der Türkei, um Menschen auf der Flucht bereits an den Mauern Europas abzuwehren, sowie ein völkischer Diskurs innerhalb der gesamten Parteienlandschaft, um Wähler*innenstimmen zu generieren, sind nur wenige Beispiele hierfür. Mit der Vortragsreihe „Das Problem heißt Rassismus“ wollen wir uns mit den Ideologien beschäftigen, die diesen Zuständen zugrunde liegen. Weiter sollen Debatten innerhalb der radikalen Linken aufgegriffen und analysiert werden, um aus den gemachten Fehlern die Schlüsse ziehen, die für eine erfolgreiche antirassistische und antifaschistische Praxis nötig sind.

Antifra in die Offensive!

1. September 2016
Florian Eisheuer – Des Rassismus neue Kleider? Deutschland und die „Flüchtlingskrise“

Deutschland zündelt wieder. Das BKA zählte 2015 mehr als 1.000 Angriffe auf Unterkünfte von Geflüchteten. Die ideologische Bühne für die Gewalt wird durch eine neue Welle des Rassismus bereitet, die zwar von PEGIDA, der AfD und anderen Gruppierungen prominent getragen wird, allerdings auch, wie entsprechende Studien und Umfragen zeigen, weit über diese Kreise hinausgeht und teils erschreckende Zustimmungswerte in der Bevölkerung generiert.

Dreh- und Angelpunkt dieses Rassismus ist nicht das Gerede von einer Über- und Unterlegenheit verschiedener „Rassen“, sondern die Behauptung, die Grundpfeiler „arabischer Kultur“ und muslimischer Religion seien mit „deutschen Werten“ und „deutscher Kultur“ nicht vereinbar. In teils apokalyptisch anmutenden Szenarien wird nicht selten vor den drastischen Folgen einer kulturellen Vermischung gewarnt und der Untergang Deutschlands prophezeit.

Es handelt sich bei diesen neuerlichen Auswüchsen um einen Rassismus ohne dezidierte Rassentheorie. Wäre es in Anbetracht dessen vielleicht sinnvoller, statt von „Rassismus“ lieber von „Kulturalismus“ zu sprechen? Oder gar von „Islamophobie“? Handelt es sich um einen dezidiert neuen Rassismus, oder ist es nur eine umverpackte Neuauflage des Immergleichen?

3. November 2016
Massimo Perinelli – Critical Whiteness und das Ende der antirassistischen Bewegung

Seit mehreren Jahren können wir einen Verfall der antirassistischen Bewegung in diesem Land beobachten. In diese sowohl theoretische, politische wie bewegungspraktische Leerstelle konnten sich Theoreme entfalten, die aus akademischen Debatten um Postkolonialismus, Intersektionalismus und Gender-Studies stammen und sich vor allem auf Texte aus dem US-Kontext beziehen. Damit einhergehend beobachten wir Versuche, unter dem Label von Critical Whiteness die Reste der ehemals breiten antirassistischen Bewegung der letzten 20 Jahre aus einer akademischen Perspektive zu ordnen und darin zu bestimmen. Viele erleben dies als eine autoritäre Formierung der vormals vielschichtigen Ansätze und Praktiken. In dem Vortrag geht es um die Frage nach antirassistischen Strategien und Taktiken, die eine Perspektive auf die Überwindung gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse bieten können, statt diese in der permanenten Aufforderung nach persönlicher Positionierung spiegelbildlich zu verdoppeln.

Alle Vorträge beginnen um 19 Uhr im LiZe, Dahlienweg 2a.
Das Antifa Café hat bereits ab 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

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[Vortrag] Treu, Tüchtig, Teutsch – Kritische Geschichte des deutschen Fußballs http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/06/07/vortrag-treu-tuechtig-teutsch-kritische-geschichte-des-deutschen-fussballs/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/06/07/vortrag-treu-tuechtig-teutsch-kritische-geschichte-des-deutschen-fussballs/#comments Tue, 07 Jun 2016 15:50:21 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/06/07/vortrag-treu-tuechtig-teutsch-kritische-geschichte-des-deutschen-fussballs/ DFB

Treu, Tüchtig, Teutsch – Kritische Geschichte des deutschen Fußballs

Stefan Dietl beschäftigt sich mit der politischen Geschichte des populären Massensports, besonders mit der des Deutschen Fußballbundes (DFB). Er zeigt die Kontinuitäten zwischen der Verehrung des Kaiserreichs, Demokratie- und Republikfeindschaft während der Weimarer Zeit und der vom DFB bejubelten Machtübertragungen an die Nationalsozialisten auf. Dabei wird er erläutern, wie der DFB das staatliche Programm der Diskriminierung und Repression teilweise vorweg nahm und so ein Wegbereiter und wichtiger Unterstützer des NS-Regimes wurde.

30. Juni | 19 Uhr | LiZe Regensburg (Dahlienweg 2a)

Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

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[Vortragsreihe] Antifa: Geschichte – Gegenwart – Zukunft http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/03/10/vortragsreihe-antifa-geschichte-gegenwart-zukunft/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/03/10/vortragsreihe-antifa-geschichte-gegenwart-zukunft/#comments Thu, 10 Mar 2016 09:12:01 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/03/10/vortragsreihe-antifa-geschichte-gegenwart-zukunft/ FlyerWeb

Antifa: Geschichte – Gegenwart – Zukunft

Wahrscheinlich jede*r kennt das Symbol mit den zwei Fahnen und hat schon
einmal etwas von „der Antifa“ gehört. Aber was steckt dahinter? Was versteht man unter „Antifaschismus“ und wie ist die „Antifaschistische Aktion“ entstanden? Wie hat sich die Bewegung im Laufe der Jahre entwickelt und womit setzt sie sich aktuell auseinander? Mit der Vortragsreihe „Antifa: Geschichte – Gegenwart – Zukunft“ möchten wir zu der Klärung dieser grundlegenden Fragen und einem möglichst umfassenden Blick auf diese linksradikale Bewegung beitragen. Von den Anfängen in den 1920ern, über die glorreichen 1980er der „Autonomen Antifa“ bis hin zur aktuellen Krisendebatte.

Donnerstag | 7. April 2016 | 19:00 Uhr

Frank Engster – Antifa heißt…?! Zur Geschichte des (autonomen) Antifaschismus

Gesellschaftskritik ist in Deutschland mehr als in jedem anderen Land nicht nur durch die Auseinandersetzug mit der kapitalistischen Ökonomie bestimmt, sondern auch durch die Auseinandersetzung Faschismus, Nationalsozialismus und der Shoah. Der Anspruch radikaler Gesellschaftskritik war, die innere Beziehung zwischen Kapitalismus und Faschismus zu klären und beide in der theoretischen wie praktischen Kritik miteinander zu verbinden. Radikaler Antifaschismus war daher stets mehr als nur der Kampf gegen Nazis, er zielte auf die gesellschaftlichen Bedingungen und Ursachen des Faschismus in all seinen Erscheinungen.

Allerdings hat auch dieser radikale Antifaschismus eine lange und wechselvolle Geschichte. Er beginnt mit dem Kampf gegen den historischen Faschismus im Kontext der traditionellen Arbeiter_innenbewegung, und er beginnt unter anderen Bedingungen und Vorzeichen erneut in den 1970er Jahre, diesmal im Umfeld der sog. Neuen Sozialen Bewegungen und den K-Gruppen. Aus dieser „zweiten Phase“ entwickelte sich schließlich ein autonomer Antifaschismus, der mittlerweile schlicht unter Antifa firmiert. Die Antifa ist bis heute prägend für radikalen Antifaschismus und hat sich zu einer eingeständigen Praxis entwickelt, die mittlerweile auch außerhalb Deutschlands einflussreich geworden.

Donnerstag | 5. Mai 2016 | 19:00 Uhr

Nils Schumacher – „Alles muss man selber machen“? Kontinuitäten und Brüche selbstorganisierten Antifa-Engagements


„Autonome Antifas’, so heißt es in einem schon älteren Text, genossen innerhalb der Linken anfänglich den Ruf eines Torwarts in einer Fußballmannschaft. Zwar sagt es keiner laut, aber alle glauben zu wissen: er hat eine Macke.
Die ‚Macke’ der Antifa in den 1980er Jahren bestand nicht nur darin, auf Grundlage eines vergleichsweise hohen Organisie­rungs­grades eine überschaubare Neo-Nazi-Szene fast schon professionell zu verfolgen, sondern vor allem auch darin, die einge­schränkte Perspektive zum stra­te­gi­schen und politischen Ausgangs­punkt umfassender, im weitesten Sinne links­ra­di­kaler Forderungen und Zielsetzungen zu erklären. Angesichts der Wellen massiver rassistischer Gewalt Anfang der 1990er Jahre geriet dieses Bild allerdings ins Wanken, denn ‚Antifa’ wurde von einem Teilbereich zu einer, nicht zuletzt von Jugendlichen getragenen, breiten Bewegung. Sie blieb in Teilen zwar mit den Autonomen verbunden, war aber vor allem durch eine große Eigendynamik geprägt. Ab dem Ende der 1990er Jahre schlossen sich die Ausdifferenzierung in verschiedene Strömungen, Spaltungen und politische Abwendungen von Antifa-Praxis an.
Im Ergebnis dieser Entwicklungen steht der Name ‚Antifa’ seit einigen Jahren schon für sehr unterschiedliche politische Konzepte und praktische Schwerpunktsetzungen: für den Kampf gegen Nazis und „Rechtsextremismus“ in all seinen Spielarten, zum Teil für antirassistische Praxis, vielfach aber auch für ein thematisch allgemeiner ausgerichtetes linkes Engagement, für das ‚Antifa’ eher ein Label darstellt. Dieses Label verwenden ‚militante’ genauso wie ‚zivilgesellschaftlich’ orientierte Gruppen, ‚anti­deutsch’ geprägte genauso wie ‚inter­na­tio­na­lis­tische’ oder ganz pragmatisch ausge­richtete Initiativen. Ein gemeinsames organi­satorisches oder kommunikatives Band besteht nicht.
Aktuelle Literatur aus der „Bewegung“ beschreibt manche dieser Phasen unter Ge­sichts­punkten von Stärke, Durchsetzungsfähigkeit, klaren politischen Konzepten und ‚Erfolg’. Die Darstellungen sind allerdings stark geschönt, so dass eine Reihe von Fragen offen bleiben müssen:
Welche Strömungen und Gruppen ‚der Antifa’ repräsentieren diese Darstellungen eigent­lich und welche tauchen gar nicht auf? Wo liegen die widersprüchlichen Momente dieser Selbstbeschreibungen und der an sie anschließenden Praxisformen? Welche Antworten bieten die unterschiedlichen Ansätze angesichts einer sich aktuell ab­zeichnenden Welle rassistischer Gewalt, rechtspopulistischer Wahlerfolge und neona­zis­tischer Konsolidierung?
Aus Sicht der Protestforschung widmet sich der – illustrierte – Vortrag diesen drei Fragekomplexen.

Donnerstag | 5. Mai 2016 | 19:00 Uhr

Lothar Galow-Bergemann – AntiBa: der Barbarei entgegentreten! Antifaschismus in Zeiten von Djihadismus und Pegida.


Seit zwei Jahren explodieren Dumpfbackentum, Ressentiment und Barbarei. Im Sommer 14 skandierten Massenaufmärsche „Tod den Juden!“. Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit und in Europa häufen sich djihadistische Terroranschläge auf Juden und jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen. Viele verweigern sich ideologiekritischer Analyse dieser Vorgänge, weil sie andernfalls ihr eigenes Ressentiment hinterfragen müssten. Auch in Deutschland erzielen Rechtsreaktionäre erschreckende Wahlerfolge. Ein rassistischer und gewalttätiger Mob agiert gegen MuslimInnen und Flüchtlinge und erfreut sich klammheimlicher bis offener Zustimmung der „Mitte der Gesellschaft“. Der Wahnsinn marschiert.

Antifa, das ist ihr unschätzbares Verdienst, will in Zeiten, in denen leider keine Aussicht besteht, die Verhältnisse grundsätzlich zum Tanzen zu bringen, wenigstens den allerschlimmsten und barbarischsten Kräften in den Weg treten. So wichtig es bleibt, sich offenen Nazis entgegenzustellen – es liegt auf der Hand, dass der Kampf gegen sie allein nicht mehr ausreicht. Stiefel- und Nadelstreifennazis verbindet trotz des äußerlichen Gegensatzes im Kern eine enge Seelenverwandtschaft mit Djihadisten. Wer um ein Minimum an Menschenwürde und um Mindestvoraussetzungen für eine irgendwann vielleicht doch noch gelingende Emanzipation kämpfen will, muss sich der anschwellenden Front der Barbarei in all ihren Facetten entgegenstellen. Vor welchen Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art steht Antifaschismus heute? Wie hilfreich und wie problematisch ist die so genannte „Islamdebatte“? Können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder “Islamkritik“ die Problemlage erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Ist die Rede von „dem“ Islam zutreffend, der im Gegensatz zu „dem“ Christentum Humanität und Säkularität ausschließe? Wie ist ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Wie kann er praktisch werden?

Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. in Jungle World, konkret und auf www.emafrie.de


Die Vortragsreihe findet in Kooperation mit dem Kurt-Eisner-Verein statt.

Ort aller Veranstaltungen ist das „LiZe“ (Dahlienweg 2a) in Regensburg. Die Räumlichkeiten sind bis auf die Toiletten barrierefrei. Der Eintritt ist frei, Spenden freuen uns aber natürlich sehr.

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[Vortrag] 3 Jahre NSU-Prozess: Blick in den Abgrund http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/02/17/3-jahre-nsu-prozess-blick-in-den-abgrund/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/02/17/3-jahre-nsu-prozess-blick-in-den-abgrund/#comments Wed, 17 Feb 2016 09:36:38 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/02/17/3-jahre-nsu-prozess-blick-in-den-abgrund/ Burschel

10. März 2016 | 19:00 Uhr | LiZe Regensburg (Dahlienweg 2a)

„3 Jahre NSU-Prozess: Blick in den Abgrund“

Anti-demokratische Inlandsgeheimdienste, unkontrolliertes V-Mann-Unwesen, Nazi-Terror-Szene, rassistische Ermittlungen und Staatsversagen: Zwingende Konsequenzen aus dem NSU-Komplex.

Seit vielen Monaten tritt der Münchener NSU-Prozess auf der Stelle. Auch nach den medial geradezu hysterisch gehypten und dann so dreisten und banalen Aussagen der beiden Hauptangeklagten kurz vor dem Jahresende 2015, nach über 60 unverschämt auftretenden Zeug_innen aus der deutschen Nazi-Szene und ständigen Ausfällen von Prozesstagen bleibt es auch nach über 250 Prozesstagen schwierig, das Verfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) München einzuschätzen, mit dem Geschehen außerhalb des
Gerichtssaals in Beziehung zu setzen und ein Ende mit einem Urteil abzusehen. Bizarre Ungleich-zeitigkeiten des Innen und Außen des Prozesses charakterisieren die aktuelle Entwicklung: beantwortet jedoch sind die allerwenigsten Fragen vom Beginn des Prozesses, geklärt kaum eine der zahllosen,haar-sträubenden Ungereimtheiten, die die Diskussion bestimmen. Gesellschaftliche und politische Konsequenzen spielen im Alltag vor Gericht und in den (unterdessen ZEHN) Parlamentarischen Untersuchungsausschüssen so gut wie keine Rolle. Im Gegenteil, die Zuspitzung „Dem Inlandsgeheimdienst konnte nichts besseres passieren als der NSU“ ist so gültig wie am ersten Tag nach dem Aufliegen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU).

Zum Referenten:
Friedrich Burschel ist Referent zum Schwerpunkt Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit bei der Akademie für Politische Bildung der Rosa Luxemburg Stiftung in Berlin. Er ist akkreditierter Korrespondent des nicht-kommerziellen Lokalsenders Radio Lotte Weimar im NSU-Prozess und Mitarbeiter des Internetprojektes NSU-Watch. Seine Audio- und Printbeiträge zum Prozess und zum NSU sind auf dem Antifra-Blog (http://antifra.blog.rosalux.de) oder auf der RLS-Homepage (http://www.rosalux.de/index.php?id=24495) zu finden.

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit anita f. – antifaschistische Gruppe in Regensburg statt.


Der Eintritt ist frei. Wir würden uns jedoch sehr über Spenden freuen. Alle Spendeneinnahme gehen das Projekt NSU-Watch

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[Vortrag] „Motorradfahren ist Krieg“ http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/02/16/motorradfahren-ist-krieg/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/02/16/motorradfahren-ist-krieg/#comments Tue, 16 Feb 2016 10:36:27 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/02/16/motorradfahren-ist-krieg/ krieg

3. März 2016 | 19:00 Uhr | LiZe Regensburg (Dahlienweg 2a)

„Motorradfahren ist Krieg – Zur ästhetischen Aktualisierung des „True Black Metal“

Er gilt als die Witzfigur des deutschen Black Metals: René Wagner, alias Kanwulf, alias Ash, einziges Mitglied der sächsischen Band Nargaroth. Aufgrund von Aussagen wie „white music for white people“ und der Zusammenarbeit mit dem rechten Label „No Colours“ wird Wagner oft dem NSBM (National Socialist Black Metal) zugerechnet. Wagners neuester Coup hat hingegen wenig mit Musik zu tun. Der Szenestar ist Gründer des »German Black Metal Commando« (GBMC). Es ist wohl kein Zufall, dass das »MC« in GBMC auch als »Motorcycle Club« gelesen werden kann. Denn durch die Adaption der soldatischen Organisation und Ästhetik der männerbündlerischen Rockerclubs erschaffen sich Wagner und seine Kameraden als „nicht-zu-Ende geborene“ Männer einen Körperpanzer, der ihre frei fließenden Gefühle einkesseln soll.

Zum Referenten:
Felix Balandat schreibt für die Wochenzeitung Jungle World und ist bei Radio Z in Nürnberg aktiv.

Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen wir uns natürlich.

Weitere Infos zum Thema:
http://jungle-world.com/artikel/2014/44/50831.html

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[Vortrag] „Deutschland, du Opfer?“ http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/01/05/vortrag-deutschland-du-opfer/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/01/05/vortrag-deutschland-du-opfer/#comments Tue, 05 Jan 2016 17:08:30 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2016/01/05/vortrag-deutschland-du-opfer/ PlakatWeb

03.Februar 2016 | 19:00 Uhr |LiZe, Dahlienweg 2a

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs breiteten die Deutschen den Mantel des Schweigens über ihre Verbrechen. Zugegeben wurde stets nur das Nötigste und was bereits nicht mehr zu leugnen war. Die entscheidenden Impulse kamen dabei meist von außen und wurden nur höchst widerwillig akzeptiert.

Der Vortrag wird zweigeteilt ablaufen: Zunächst erfolgt ein historischer Abriss in dem aufgezeigt wird, in welchen Phasen die Ermordung der europäischen Juden während der Shoa ablief. Das Aufzeigen des bürokratischen Umfangs der Völkermords soll zeigen, wieviele Deutsche direkt oder indirekt darin verwickelt waren, welches Wissen sie über ihre Rolle in der Vernichtungsmaschinerie hatten. Daran anschließend werden die in der frühen BRD beginnenden Mythen und Schutzbehauptungen nachgezeichnet, welche bis mindestens zur Goldhagen-Debatte und der Wehrmachtsausstellung diskursprägend waren und die in unzähligen “Hitlers Helfer”-Sendungen immer noch aktiv sind.

Zum Referenten:
Carl Specht lebt in Nürnberg, ist Mitglied der Initiative Das Schweigen durchbrechenund sonst als freiberuflicher Soziologe tätig.

Der Vortrag findet mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt!

Die Einnahmen werden alle an die Initiative „Das Schweigen Durchbrechen“ gespendet und dienen außerdem unserer eigenen Kostendeckung. Daher sprechen wir eine Spendenempfehlung von 3 Euro für den Vortrag aus, welche aber nicht verpflichtend ist.

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[Vortragsreihe] „Neofaschismus in Europa“ http://antifacafergbg.blogsport.de/2015/09/29/vortragsreihe-neofaschismus-in-europa/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2015/09/29/vortragsreihe-neofaschismus-in-europa/#comments Tue, 29 Sep 2015 19:11:16 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2015/09/29/vortragsreihe-neofaschismus-in-europa/

Neofaschismus in Europa
Das alte, durch Hitler und Mussolini geprägte Bild des Diktators der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist tot; Ihre AnhängerInnen und die vertretenen Ideologien leider nicht. Reaktionäre Einstellungen scheinen in vielen Ländern Europas gerade in Zeiten der Krise im Kapitalismus ein Revival zu erleben. Extrem Rechte Kräfte finden darin oft einen fruchtbaren Nährboden. Jedoch ist es zu kurz gegriffen, politische und ökonomische Krisen alleine für diese Entwicklungen verantwortlich zu machen. Unsere Vortragsreihe „Neofaschismus in Europa“ will daher einen Beitrag zur Aufklärung über faschistische AkteurInnen und Tendenzen in Deutschland, Italien, Griechenland und der Ukraine leisten.


7. Oktober 2015 | 19 Uhr
Jan Nowak – Die Neonazipartei „Der III. Weg“ – Resterampe, Szenehoffnung, Wahlpartei?

Die neonazistische Partei „Der III. Weg“ hat in Bayern das Erbe des verbotenen „Freien Netz Süd“ angetreten, ist jedoch auch in anderen Bundesländern aktiv. Wie steht es um die Strukturen der Neonazipartei und wie könnte die Gesamtorganisation charakterisiert werden? Mit welchen Themen und Aktionsformen tritt sie aktuell in die Öffentlichkeit und welche Faktoren beeinflussen ihr Handeln? Welche Rolle spielt sie beispielsweise bei rassistischen Mobilisierungen, die ihren Ausdruck immer wieder auch in Angriffen auf Flüchtlinge oder Anschlägen gegen Flüchtlingsunterkünfte finden? Im Vortrag soll diesen Fragen nachgegangen werden, ebenso besteht die Möglichkeit zur Diskussion.


4. November 2015 | 19 Uhr
John Malamatinas – Goldene Morgenröte

Bei den Parlamentswahlen im Juni 2012 erreichte „Chrysi Avgi“ den Einzug in das griechische Parlament. Darüber hinaus kam es zu einem Anstieg rassistischer Angriffe und rassistischer und diskriminierender Politik seitens des Staates. Nährboden für ihren Erfolg ist sicher nicht nur, wie oft kommentiert, die Verschärfung der ökonomischen und politischen Krise in Europa, sondern vor allem auch weit verbreitete reaktionäre Einstellungen in der sogenannten gesellschaftlichen Mitte Griechenlands. Erst die Ermordung eines Antifaschisten sorgte für die sukzessive Verdrängung der Partei aus der Öffentlichkeit, wozu momentan auch ein Verfahren gegen die Parteioberen läuft. Aber die Bemühungen des griechischen Staates um ein Verbot der Partei scheinen ins Stocken zu geraten. Was sind die Gründe für den rasanten Aufstiegs der „Goldenen Morgenröte“? Wie sieht es mit dem rassistischen Normalzustand in der griechischen Gesellschaft und den Erfolgschancen eines Verbotsverfahrens aus?


2. Dezember 2015 | 19 Uhr
Heiko Koch – Casa Pound Italia

Seit 10 Jahren existiert die populistische Bewegung CasaPound Italia. Ihre Wurzeln sieht sie im historischen Faschismus zu Beginn der 1920er Jahre; in der Zeit als der italienische Faschismus noch nicht Regime, sondern eine Bewegung mit revolutionärem Anstrich war und sich mit Terror und Gewalt den Weg zur Macht ebnete. Die Anhänger CasaPounds nennen sich »i fascisti del terzo millennio«, die Faschisten des 3. Jahrtausends. Sie agieren mit aggressiv vorgetragenen Sozialforderungen, vordergründigem Anti-Kapitalismus und national-revolutionären Parolen. Von Subkulturen und der radikalen Linken adaptierte Aktionsformen, jugendgerechtes Auftreten, popkulturelle Ästhetik und Lifestyle lassen von CasaPound das Bild einer vielfältigen und dynamischen Bewegung entstehen, die jedoch nach innen straff autoritär geführt wird.


6. Januar 2016 | 19 Uhr
Larisa Schulz – Ukraine nach dem Maidan

Unterschiedlichen (Verschwörungs-)Theorien zufolge sind wahlweise der Westen, die EU, Putin, die NATO oder die USA seit 2013 eifrig dabei, einen Keil in die ukrainische Gesellschaft zu treiben. Hier wird dann gern übersehen, dass die Bevölkerung sich längst an der Frage gespalten hat, ob die Ukraine jetzt eigentlich Opfer des Stalinismus oder Sieger über den deutschen Faschismus ist beziehungsweise ob der „Unabhängigkeitskämpfer” Stephan Bandera als Volksheld oder als Nazikollaborateur zu gelten hat. Der eklatante Mangel an Informationen darüber, wer seit Januar 2014 für verschiedene Kampfhandlungen inklusive Todesschüsse verantwortlich ist, führt zu verschwurbelten Verschwörungstheorien, bringt aber auch Menschen mit ansonsten seriösen Forschungsansätzen zu kruden Ansichten und absurden Aussagen. Die derzeitigen kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine werden von einem Kampf um Meinungshoheit und Deutungshoheit flankiert. Und Deutungshoheit heißt hier insbesondere zu definieren, wer der Nazi ist. Dabei herrscht noch Uneinigkeit, ob nur Nazis auf dem Maidan waren oder ob die Protestierenden auf dem Maidan nicht zu „gute Beziehungen zur amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft” pflegten. Leider wenig überraschend lässt sich am Beispiel der Ukraine zeigen: Wer sich nicht von Nazis distanziert, provoziert eine extrem rechte Hegemonie.


In Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Bayern – Kurt Eisner Verein

Alle Termine finden im LiZe statt. (Dahlienweg 2a, 93053 Regensburg)

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[Filmvorführung] „Es kann legitim sein, was nicht legal ist.“ http://antifacafergbg.blogsport.de/2015/08/14/filmvorfuehrung-es-kann-legitim-sein-was-nicht-legal-ist/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2015/08/14/filmvorfuehrung-es-kann-legitim-sein-was-nicht-legal-ist/#comments Fri, 14 Aug 2015 17:05:15 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2015/08/14/filmvorfuehrung-es-kann-legitim-sein-was-nicht-legal-ist/ „Es kann legitim sein, was nicht legal ist.“

Martin Löwenberg – ein Leben gegen Faschismus, Unterdrückung und Krieg (Ein Dokumentarfilm von Petra Gerschner & Michael Backmund)

Fast zwei Jahrzehnte begleiteten die FilmemacherInnen den Widerstandskämpfer und ehemaligen KZ-Häftling Martin Löwenberg mit der Kamera und suchten im Gespräch mit ihm und dem gemeinsamen Freund Konstantin Wecker nach Antworten auf die Fragen: Woher nimmt dieser Mann in seinem Alter das Verständnis für die praktische Tat, das Handeln, die jugendliche Ungeduld? Woher kommen seine Kraft und sein Mut? Wie entstand seine Unbeugsamkeit gegenüber staatlicher Willkür und Autoritäten? Und warum leuchten seine Augen noch immer auf, wenn er planend und organisierend politisch aktiv wird für soziale Gerechtigkeit, gegen Ausgrenzung und Krieg?

Als Jugendboxer trainierte Martin Löwenberg im Breslauer Postsportverein Stephan und verprügelte in der Freizeit mit seinen Freunden mehrfach den Streifendienst der Hitlerjugend. Sie wehrten sich gegen die zunehmende Repression und Verfolgung unangepasster Jugendlicher. Später arbeitete er
mit seinem älteren Bruder Fred in einem organisierten Widerstandsnetzwerk und unterstützte osteuropäische Zwangsarbeiter mit Brotmarken und Informationen über den Kriegsverlauf. Im Mai 1944 nahm ihn die Gestapo fest. Nach tagelangen Verhören wurde er ins KZ Flossenbürg deportiert. In den KZ-Außenlagern Thil und Leitmeritz musste Martin Löwenberg bis zu seiner Befreiung selbst Zwangsarbeit in unterirdischen Stollen leisten. Historische Foto- und Filmdokumente zu seinen Erzählungen werden dabei mit den Aufnahmen der aktuellen Topografie dieser Handlungsorte konfrontiert.

Mit der Biografie Martin Löwenbergs schlägt der Film einen Bogen über hundert Jahre Zeitgeschichte. Er dokumentiert auch das politische Engagement von Löwenberg nach 1945 gegen dieRemilitarisierung der Bundesrepublik, seine Verfolgung als Kommunist genauso wie seine Unterstützung von Roma-Flüchtlingen in der KZ-Gedenkstätte Dachau, die Verhinderung von Naziaufmärschen oder seinen Kampf für die Entschädigung von ehemaligen ZwangsarbeiterInnen. Durch die Recherchen in deutschen und polnischen Archiven ist es gelungen, bisher unbekanntes Filmmaterial zu finden, das den Protagonisten bei historischen Ereignissen in Aktion zeigt wie z.B. der Beerdigung von Philipp Müller 1952, dem ersten von der Polizei erschossenen Demonstranten der jungen Bundesrepublik.

Diese subjektive Protestgeschichte wird verknüpft mit aktuellen Interviews und historischen Bildmaterialien (Fotos und Filme von 1909 bis 2011) aus Wroclaw, früher Breslau, Dachau, Flossenbürg, Essen und München zu einer filmischen Zeitreise über hundert Jahre. Martin Löwenberg spricht von seinen Visionen damals nach der Befreiung aus dem KZ und heute. Er entwickelt im Film eine besondere Form der Reflektion von Geschichte; dabei verschränken sich die Ebenen von Zeit und Inhalt in Erzählsträngen, die die Vergangenheit in der Gegenwart präsent werden lassen.

Weitere Infos und den Trailer findet ihr unter:
http://www.loewenberg-film.de/

Der Eintritt ist frei.

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[Vortrag] Bagida, Pegida und Co. – Eine Analyse rechter Aufmärsche http://antifacafergbg.blogsport.de/2015/08/14/vortrag-bagida-pegida-und-co-eine-analyse-rechter-aufmaersche/ http://antifacafergbg.blogsport.de/2015/08/14/vortrag-bagida-pegida-und-co-eine-analyse-rechter-aufmaersche/#comments Fri, 14 Aug 2015 16:52:51 +0000 Administrator Allgemein http://antifacafergbg.blogsport.de/2015/08/14/vortrag-bagida-pegida-und-co-eine-analyse-rechter-aufmaersche/ Bagida, Pegida und Co. – Eine Analyse rechter Aufmärsche

Im Vortrag wird aufgezeigt, wie es zu der Allianz von Bürger_innen und radikaler Rechter gekommen ist, die als „PEGIDA“– (Dresden, Nürnberg) oder „BAGIDA“-Bewegung (München) immer wieder montagabends auf die Straßen geht: Wie mehr und mehr Menschen Vorurteile gegen Asylsuchende, Muslime sowie Sinti und Roma entwickelten und rassistische Diskussionen in sozialen Netzwerken explodierten. Wie RechtspopulistInnen lokale Kampagnen gegen Muslime initiierten und rechte Hooligans sich vereinsübergreifend zu organisieren begannen. Und wie an manchen Orten Neonazis und Bürgerinnen und Bürger mittlerweile gemeinsam gegen Asylsuchende und ihre Unterbringung vorgehen.

Der Referent Robert Andreasch (Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e. V. (a.i.d.a.)) arbeitet als freier Journalist mit dem Schwerpunkt extreme und neonazistische Rechte.

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