Archiv der Kategorie 'Allgemein'

[Vortragsreihe] Kapitalismus Forever? – Zur Notwendigkeit marx’scher Ökonomiekritik

Marx

Kapitalismus Forever? – Zur Notwendigkeit marx’scher Ökonomiekritik

Kaum jemand wird in der Linken so häufig zitiert und rezipiert wie Karl Marx. Egal ob es um ein Flugblatt gegen staatliche Repression, einen Text zu aktuellen sozialen Kämpfen oder eine Analyse der derzeitigen ökonomischen Entwicklung geht, ein passendes oder unpassendes Zitat von Marx darf oft nicht fehlen. Mit ihm als Kronzeugen soll dem jeweiligen Unterfangen Legitimität verliehen werden. Trotz dieser zahlreichen Verweise auf Marx tritt die marx‘sche Analyse und Kritik bei aktuellen Debatten häufig in den Hintergrund oder wird bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Statt die marx‘sche Kritik auf die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse zu übertragen wird sie lieber historisiert.

In unserer dreiteiligen Veranstaltungsreihe wollen wir daher der Frage nachgehen welche Aktualität die marx’sche Kritik der politischen Ökonomie heute besitzt. Wie kann eine emanzipatorische Kritik der bestehenden Verhältnisse heute aussehen? Welchen Beitrag kann die marx’sche Analyse
zu aktuellen Debatten leisten? Und wie kann eine materialistische Kritik der Geschlechterverhältnisse im Kapitalismus aussehen?

1. Dezember 2016
Stefan Dietl – „Blame the System!“ – Kleine Einführung in die Kapitalismuskritik

Für die einen „gibt es kein System, das die Armut schneller beseitigt“ (Wirtschaftswoche), und sind sich daher sicher, dass er „alternativlos ist und bleibt“ (Die Welt) und „dass die Menschen die kapitalistische Wirtschaftsordnung lieben“ (FAZ). Für die anderen „ist der Kapitalismus gescheitert“ (attac) und die „Idee des Kapitalismus tot“ (Michael Moore), während die nächsten feststellen das „der Kapitalismus so quicklebendig ist wie nie“ (Spiegel). Doch was ist eigentlich der Kapitalismus von dem alle reden? Welche historischen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen kennzeichnen die kapitalistische Produktionsweise und wie kann eine emanzipatorische Kritik an den bestehenden Verhältnissen aussehen? Stefan Dietl versucht einige grundlegenden Vorstellungen der Marx´schen Kritik der politischen Ökonomie vorzustellen und in Grundbegriffe wie Ware, Wert und die Entstehung des Mehrwert einzuführen. Dabei wird er sich auch mit den regressiven Vorstellungen mancher „Kapitalismuskritiker“ beschäftigen und der Frage nach gehen, ob und wie eine emanzipatorische Aufhebung der kapitalistischen Verhältnisse möglich ist.

Einführend zu dem Thema findet am 16. Dezember ab 14 Uhr ein Workshop statt. Näheres erfahrt ihr bei der Veranstaltung mit Stefan Dietl.

5. Januar 2017
Roland Röder (Aktion 3. Welt Saar) – Fairer Handel – Ist eine bessere Welt käuflich?

Der Faire Handel verspricht, die Welt durch Konsum sozial gerechter zu machen und hat jährlich ein zweistelliges Wachstum. Doch im Rausch der Wachstumskurven geraten zumeist die politischen und ökonomischen Grundlagen aus dem Blick. Kann man eine bessere Welt wirklich kaufen, kann es einen fairen Kapitalismus geben? Genau das unterstellt der Faire Handel: Die Welt werde besser, die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen ein Stückchen gerechter, wenn viele Menschen ‚gerecht‘ kaufen und konsumieren. Dies wird auch von Bundes- und Landesprogramme genährt, die jährlich zweistellige Millionenbeträge an die Fair-Handels-Akteure ausschütten. Die damit geförderte Entpolitisierung wird fürstlich alimentiert.

Der Referent war Redaktionsmitglied der Flugschrift „Fairer Handel – Ist eine bessere Welt käuflich?, die die Aktion 3.Welt Saar gemeinsam mit dem Ökumenischen Netz Rhein-Mosel-Saar (Koblenz) heraus gegeben hat. Die vierseitige Publikation erschien in einer Auflage von 120.000 Ex. und lag u.a. der taz, dem ND und der Jungle World bei. In der Flugschrift werden Erfolge des Fairen Handels benannt, aber auch seine Grenzen. Die HerausgeberInnen kommen aus der Fair-Handels-Praxis. Aber sie teilen nicht die (Wachstums-) Euphorie vieler Fair-Handels-Akteure, weil sie den Fairen Handel im Zusammenhang des ‚Ganzen’ der kapitalistischen Gesellschaft reflektieren. Diese Gesellschaftsformation stößt an die Grenzen ihrer Reproduktionsmöglichkeiten. Dies zeigt sich in den vielfältigen globalen Krisen.

Roland Röder ist Geschäftsführer der Aktion 3.Welt Saar e.V. (www.a3wsaar.de). Die Aktion 3.Welt Saar betreibt einen 3.Welt Laden, sieht aber manches dazu kritisch. Der Referent ist zudem aktiver Fußballfan und Kleingärtner. In der Jungle World schreibt er die Gartenkolumne „Krauts & Rüben. Der letzte linke Kleingärtner“.

2. Februar 2017
Roswitha Scholz – Das Geschlecht des Kapitalismus

Kapitalismus und patriarchales Geschlechterverhältnis sind untrennbar miteinander verbunden. Unterdrückung, Ausgrenzung und Minderbewertung von Frauen sind keine Überbleibsel der Vormoderne, sondern Ausdruck einer spezifisch modernen Geschlechterordnung. Es ist die kapitalistische Warenform selbst, welche ebenso wie Aufklärung, bürgerliche Freiheit und abstrakte Rationalität ohne die Abspaltung und Minderbewertung eines Weiblichen nicht denkbar ist und diese Abspaltung zur stummen Voraussetzung hat. Frauen wird in der kapitalistischen Moderne dabei nicht nur die häusliche Reproduktion zugewiesen, sondern sie werden ebenso zur Projektionsfläche von Eigenschaften wie Emotionalität, Liebesfähigkeit und Verstandesschwäche. Bereits 1999 formulierte Roswitha Scholz einen neuen theoretischen Ansatz zur Analyse des Geschlechterverhältnisses, in dessen Zentrum das Theorem der „Wert-Abspaltung“stand. Damit ist gemeint, dass eben die sozialhistorischen Zuschreibungen des „Weiblichen“ – von Hausarbeit, Kindererziehung bis zur emotionalen Zuwendung – einen von der kapitalistischen Verwertungslogik abgespaltenen Bereich der gesellschaftlichen Reproduktion bilden, der gleichzeitig eine „stumme“ Bedingung und Voraussetzung der modernen Gesellschaften ist.

Dabei stellt Scholz den Mechanismus der Abspaltung sowohl in seinen materiellen als auch in seinen kulturell-symbolischen und sozialpsychologischen Dimensionen dar und zeigt auf, dass diese gesellschaftliche Grundstruktur des Kapitalismus kein starres Gefüge ist, sondern ein historischer Prozess mit verschiedenen Entwicklungsstufen. Gleichzeitig wird der Vortrag auch eine Kritik des „cultural turns“ beinhalten, welcher nach dem Ende des Realsozialismus auch die feministische Theoriebildung erfasst hat und sich in postmoderen Ideologiebildungen niederschlägt.

Alle Vorträge beginnen (pünktlich) um 19 Uhr im LiZe, Dahlienweg 2a. Das Antifa Café hat bereits ab 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

Druck finanziert durch den Solidaritätsfonds der Hans-Böckler-Stiftung

Laut §6 Versammlungsgesetz sind Rechte, Neonazis, deren SympathisantInnen sowie Personen, die in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder nationalistische Äußerungen aufgefallen sind, von der Veranstaltung ausgeschlossen.

[Vortragsreihe] Das Problem heißt Rassismus

Das Problem heißt Rassismus

Seit 2015 steigen die Übergriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte stark an. Menschenfeindliche Ideologien wie Rassismus, antimuslimische Ressentiments und Antiziganismus sind in der deutschen Mehrheitsgesellschaft weit verbreitet. Phänomene wie PEGIDA oder „Nein zum Heim“-Initiativen finden sich mittlerweile in fast jedem hinterletzten Eck der Republik. Mit der rechten Partei „Alternative für Deutschland“ erhält der wütende Mob seinen parlamentarischen Arm, der die „etablierten“ Parteien vor sich hertreibt und das politische Koordinatensystem deutlich nach rechts verschiebt. Die Verschärfung des ohnehin schon verstümmelten Rechts auf Asyl, Deals mit Staaten wie der Türkei, um Menschen auf der Flucht bereits an den Mauern Europas abzuwehren, sowie ein völkischer Diskurs innerhalb der gesamten Parteienlandschaft, um Wähler*innenstimmen zu generieren, sind nur wenige Beispiele hierfür. Mit der Vortragsreihe „Das Problem heißt Rassismus“ wollen wir uns mit den Ideologien beschäftigen, die diesen Zuständen zugrunde liegen. Weiter sollen Debatten innerhalb der radikalen Linken aufgegriffen und analysiert werden, um aus den gemachten Fehlern die Schlüsse ziehen, die für eine erfolgreiche antirassistische und antifaschistische Praxis nötig sind.

Antifra in die Offensive!

1. September 2016
Florian Eisheuer – Des Rassismus neue Kleider? Deutschland und die „Flüchtlingskrise“

Deutschland zündelt wieder. Das BKA zählte 2015 mehr als 1.000 Angriffe auf Unterkünfte von Geflüchteten. Die ideologische Bühne für die Gewalt wird durch eine neue Welle des Rassismus bereitet, die zwar von PEGIDA, der AfD und anderen Gruppierungen prominent getragen wird, allerdings auch, wie entsprechende Studien und Umfragen zeigen, weit über diese Kreise hinausgeht und teils erschreckende Zustimmungswerte in der Bevölkerung generiert.

Dreh- und Angelpunkt dieses Rassismus ist nicht das Gerede von einer Über- und Unterlegenheit verschiedener „Rassen“, sondern die Behauptung, die Grundpfeiler „arabischer Kultur“ und muslimischer Religion seien mit „deutschen Werten“ und „deutscher Kultur“ nicht vereinbar. In teils apokalyptisch anmutenden Szenarien wird nicht selten vor den drastischen Folgen einer kulturellen Vermischung gewarnt und der Untergang Deutschlands prophezeit.

Es handelt sich bei diesen neuerlichen Auswüchsen um einen Rassismus ohne dezidierte Rassentheorie. Wäre es in Anbetracht dessen vielleicht sinnvoller, statt von „Rassismus“ lieber von „Kulturalismus“ zu sprechen? Oder gar von „Islamophobie“? Handelt es sich um einen dezidiert neuen Rassismus, oder ist es nur eine umverpackte Neuauflage des Immergleichen?

3. November 2016
Massimo Perinelli – Critical Whiteness und das Ende der antirassistischen Bewegung

Seit mehreren Jahren können wir einen Verfall der antirassistischen Bewegung in diesem Land beobachten. In diese sowohl theoretische, politische wie bewegungspraktische Leerstelle konnten sich Theoreme entfalten, die aus akademischen Debatten um Postkolonialismus, Intersektionalismus und Gender-Studies stammen und sich vor allem auf Texte aus dem US-Kontext beziehen. Damit einhergehend beobachten wir Versuche, unter dem Label von Critical Whiteness die Reste der ehemals breiten antirassistischen Bewegung der letzten 20 Jahre aus einer akademischen Perspektive zu ordnen und darin zu bestimmen. Viele erleben dies als eine autoritäre Formierung der vormals vielschichtigen Ansätze und Praktiken. In dem Vortrag geht es um die Frage nach antirassistischen Strategien und Taktiken, die eine Perspektive auf die Überwindung gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse bieten können, statt diese in der permanenten Aufforderung nach persönlicher Positionierung spiegelbildlich zu verdoppeln.

Alle Vorträge beginnen um 19 Uhr im LiZe, Dahlienweg 2a.
Das Antifa Café hat bereits ab 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

[Vortrag] Treu, Tüchtig, Teutsch – Kritische Geschichte des deutschen Fußballs

DFB

Treu, Tüchtig, Teutsch – Kritische Geschichte des deutschen Fußballs

Stefan Dietl beschäftigt sich mit der politischen Geschichte des populären Massensports, besonders mit der des Deutschen Fußballbundes (DFB). Er zeigt die Kontinuitäten zwischen der Verehrung des Kaiserreichs, Demokratie- und Republikfeindschaft während der Weimarer Zeit und der vom DFB bejubelten Machtübertragungen an die Nationalsozialisten auf. Dabei wird er erläutern, wie der DFB das staatliche Programm der Diskriminierung und Repression teilweise vorweg nahm und so ein Wegbereiter und wichtiger Unterstützer des NS-Regimes wurde.

30. Juni | 19 Uhr | LiZe Regensburg (Dahlienweg 2a)

Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

[Vortragsreihe] Antifa: Geschichte – Gegenwart – Zukunft

FlyerWeb

Antifa: Geschichte – Gegenwart – Zukunft

Wahrscheinlich jede*r kennt das Symbol mit den zwei Fahnen und hat schon
einmal etwas von „der Antifa“ gehört. Aber was steckt dahinter? Was versteht man unter „Antifaschismus“ und wie ist die „Antifaschistische Aktion“ entstanden? Wie hat sich die Bewegung im Laufe der Jahre entwickelt und womit setzt sie sich aktuell auseinander? Mit der Vortragsreihe „Antifa: Geschichte – Gegenwart – Zukunft“ möchten wir zu der Klärung dieser grundlegenden Fragen und einem möglichst umfassenden Blick auf diese linksradikale Bewegung beitragen. Von den Anfängen in den 1920ern, über die glorreichen 1980er der „Autonomen Antifa“ bis hin zur aktuellen Krisendebatte.

Donnerstag | 7. April 2016 | 19:00 Uhr

Frank Engster – Antifa heißt…?! Zur Geschichte des (autonomen) Antifaschismus

Gesellschaftskritik ist in Deutschland mehr als in jedem anderen Land nicht nur durch die Auseinandersetzug mit der kapitalistischen Ökonomie bestimmt, sondern auch durch die Auseinandersetzung Faschismus, Nationalsozialismus und der Shoah. Der Anspruch radikaler Gesellschaftskritik war, die innere Beziehung zwischen Kapitalismus und Faschismus zu klären und beide in der theoretischen wie praktischen Kritik miteinander zu verbinden. Radikaler Antifaschismus war daher stets mehr als nur der Kampf gegen Nazis, er zielte auf die gesellschaftlichen Bedingungen und Ursachen des Faschismus in all seinen Erscheinungen.

Allerdings hat auch dieser radikale Antifaschismus eine lange und wechselvolle Geschichte. Er beginnt mit dem Kampf gegen den historischen Faschismus im Kontext der traditionellen Arbeiter_innenbewegung, und er beginnt unter anderen Bedingungen und Vorzeichen erneut in den 1970er Jahre, diesmal im Umfeld der sog. Neuen Sozialen Bewegungen und den K-Gruppen. Aus dieser „zweiten Phase“ entwickelte sich schließlich ein autonomer Antifaschismus, der mittlerweile schlicht unter Antifa firmiert. Die Antifa ist bis heute prägend für radikalen Antifaschismus und hat sich zu einer eingeständigen Praxis entwickelt, die mittlerweile auch außerhalb Deutschlands einflussreich geworden.

Donnerstag | 5. Mai 2016 | 19:00 Uhr

Nils Schumacher – „Alles muss man selber machen“? Kontinuitäten und Brüche selbstorganisierten Antifa-Engagements


„Autonome Antifas’, so heißt es in einem schon älteren Text, genossen innerhalb der Linken anfänglich den Ruf eines Torwarts in einer Fußballmannschaft. Zwar sagt es keiner laut, aber alle glauben zu wissen: er hat eine Macke.
Die ‚Macke’ der Antifa in den 1980er Jahren bestand nicht nur darin, auf Grundlage eines vergleichsweise hohen Organisie­rungs­grades eine überschaubare Neo-Nazi-Szene fast schon professionell zu verfolgen, sondern vor allem auch darin, die einge­schränkte Perspektive zum stra­te­gi­schen und politischen Ausgangs­punkt umfassender, im weitesten Sinne links­ra­di­kaler Forderungen und Zielsetzungen zu erklären. Angesichts der Wellen massiver rassistischer Gewalt Anfang der 1990er Jahre geriet dieses Bild allerdings ins Wanken, denn ‚Antifa’ wurde von einem Teilbereich zu einer, nicht zuletzt von Jugendlichen getragenen, breiten Bewegung. Sie blieb in Teilen zwar mit den Autonomen verbunden, war aber vor allem durch eine große Eigendynamik geprägt. Ab dem Ende der 1990er Jahre schlossen sich die Ausdifferenzierung in verschiedene Strömungen, Spaltungen und politische Abwendungen von Antifa-Praxis an.
Im Ergebnis dieser Entwicklungen steht der Name ‚Antifa’ seit einigen Jahren schon für sehr unterschiedliche politische Konzepte und praktische Schwerpunktsetzungen: für den Kampf gegen Nazis und „Rechtsextremismus“ in all seinen Spielarten, zum Teil für antirassistische Praxis, vielfach aber auch für ein thematisch allgemeiner ausgerichtetes linkes Engagement, für das ‚Antifa’ eher ein Label darstellt. Dieses Label verwenden ‚militante’ genauso wie ‚zivilgesellschaftlich’ orientierte Gruppen, ‚anti­deutsch’ geprägte genauso wie ‚inter­na­tio­na­lis­tische’ oder ganz pragmatisch ausge­richtete Initiativen. Ein gemeinsames organi­satorisches oder kommunikatives Band besteht nicht.
Aktuelle Literatur aus der „Bewegung“ beschreibt manche dieser Phasen unter Ge­sichts­punkten von Stärke, Durchsetzungsfähigkeit, klaren politischen Konzepten und ‚Erfolg’. Die Darstellungen sind allerdings stark geschönt, so dass eine Reihe von Fragen offen bleiben müssen:
Welche Strömungen und Gruppen ‚der Antifa’ repräsentieren diese Darstellungen eigent­lich und welche tauchen gar nicht auf? Wo liegen die widersprüchlichen Momente dieser Selbstbeschreibungen und der an sie anschließenden Praxisformen? Welche Antworten bieten die unterschiedlichen Ansätze angesichts einer sich aktuell ab­zeichnenden Welle rassistischer Gewalt, rechtspopulistischer Wahlerfolge und neona­zis­tischer Konsolidierung?
Aus Sicht der Protestforschung widmet sich der – illustrierte – Vortrag diesen drei Fragekomplexen.

Donnerstag | 5. Mai 2016 | 19:00 Uhr

Lothar Galow-Bergemann – AntiBa: der Barbarei entgegentreten! Antifaschismus in Zeiten von Djihadismus und Pegida.


Seit zwei Jahren explodieren Dumpfbackentum, Ressentiment und Barbarei. Im Sommer 14 skandierten Massenaufmärsche „Tod den Juden!“. Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit und in Europa häufen sich djihadistische Terroranschläge auf Juden und jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen. Viele verweigern sich ideologiekritischer Analyse dieser Vorgänge, weil sie andernfalls ihr eigenes Ressentiment hinterfragen müssten. Auch in Deutschland erzielen Rechtsreaktionäre erschreckende Wahlerfolge. Ein rassistischer und gewalttätiger Mob agiert gegen MuslimInnen und Flüchtlinge und erfreut sich klammheimlicher bis offener Zustimmung der „Mitte der Gesellschaft“. Der Wahnsinn marschiert.

Antifa, das ist ihr unschätzbares Verdienst, will in Zeiten, in denen leider keine Aussicht besteht, die Verhältnisse grundsätzlich zum Tanzen zu bringen, wenigstens den allerschlimmsten und barbarischsten Kräften in den Weg treten. So wichtig es bleibt, sich offenen Nazis entgegenzustellen – es liegt auf der Hand, dass der Kampf gegen sie allein nicht mehr ausreicht. Stiefel- und Nadelstreifennazis verbindet trotz des äußerlichen Gegensatzes im Kern eine enge Seelenverwandtschaft mit Djihadisten. Wer um ein Minimum an Menschenwürde und um Mindestvoraussetzungen für eine irgendwann vielleicht doch noch gelingende Emanzipation kämpfen will, muss sich der anschwellenden Front der Barbarei in all ihren Facetten entgegenstellen. Vor welchen Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art steht Antifaschismus heute? Wie hilfreich und wie problematisch ist die so genannte „Islamdebatte“? Können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder “Islamkritik“ die Problemlage erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Ist die Rede von „dem“ Islam zutreffend, der im Gegensatz zu „dem“ Christentum Humanität und Säkularität ausschließe? Wie ist ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Wie kann er praktisch werden?

Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. in Jungle World, konkret und auf www.emafrie.de


Die Vortragsreihe findet in Kooperation mit dem Kurt-Eisner-Verein statt.

Ort aller Veranstaltungen ist das „LiZe“ (Dahlienweg 2a) in Regensburg. Die Räumlichkeiten sind bis auf die Toiletten barrierefrei. Der Eintritt ist frei, Spenden freuen uns aber natürlich sehr.

[Vortrag] 3 Jahre NSU-Prozess: Blick in den Abgrund

Burschel

10. März 2016 | 19:00 Uhr | LiZe Regensburg (Dahlienweg 2a)

„3 Jahre NSU-Prozess: Blick in den Abgrund“

Anti-demokratische Inlandsgeheimdienste, unkontrolliertes V-Mann-Unwesen, Nazi-Terror-Szene, rassistische Ermittlungen und Staatsversagen: Zwingende Konsequenzen aus dem NSU-Komplex.

Seit vielen Monaten tritt der Münchener NSU-Prozess auf der Stelle. Auch nach den medial geradezu hysterisch gehypten und dann so dreisten und banalen Aussagen der beiden Hauptangeklagten kurz vor dem Jahresende 2015, nach über 60 unverschämt auftretenden Zeug_innen aus der deutschen Nazi-Szene und ständigen Ausfällen von Prozesstagen bleibt es auch nach über 250 Prozesstagen schwierig, das Verfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) München einzuschätzen, mit dem Geschehen außerhalb des
Gerichtssaals in Beziehung zu setzen und ein Ende mit einem Urteil abzusehen. Bizarre Ungleich-zeitigkeiten des Innen und Außen des Prozesses charakterisieren die aktuelle Entwicklung: beantwortet jedoch sind die allerwenigsten Fragen vom Beginn des Prozesses, geklärt kaum eine der zahllosen,haar-sträubenden Ungereimtheiten, die die Diskussion bestimmen. Gesellschaftliche und politische Konsequenzen spielen im Alltag vor Gericht und in den (unterdessen ZEHN) Parlamentarischen Untersuchungsausschüssen so gut wie keine Rolle. Im Gegenteil, die Zuspitzung „Dem Inlandsgeheimdienst konnte nichts besseres passieren als der NSU“ ist so gültig wie am ersten Tag nach dem Aufliegen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU).

Zum Referenten:
Friedrich Burschel ist Referent zum Schwerpunkt Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit bei der Akademie für Politische Bildung der Rosa Luxemburg Stiftung in Berlin. Er ist akkreditierter Korrespondent des nicht-kommerziellen Lokalsenders Radio Lotte Weimar im NSU-Prozess und Mitarbeiter des Internetprojektes NSU-Watch. Seine Audio- und Printbeiträge zum Prozess und zum NSU sind auf dem Antifra-Blog (http://antifra.blog.rosalux.de) oder auf der RLS-Homepage (http://www.rosalux.de/index.php?id=24495) zu finden.

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit anita f. – antifaschistische Gruppe in Regensburg statt.


Der Eintritt ist frei. Wir würden uns jedoch sehr über Spenden freuen. Alle Spendeneinnahme gehen das Projekt NSU-Watch