[Vortragsreihe] Das Problem heißt Rassismus

Das Problem heißt Rassismus

Seit 2015 steigen die Übergriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte stark an. Menschenfeindliche Ideologien wie Rassismus, antimuslimische Ressentiments und Antiziganismus sind in der deutschen Mehrheitsgesellschaft weit verbreitet. Phänomene wie PEGIDA oder „Nein zum Heim“-Initiativen finden sich mittlerweile in fast jedem hinterletzten Eck der Republik. Mit der rechten Partei „Alternative für Deutschland“ erhält der wütende Mob seinen parlamentarischen Arm, der die „etablierten“ Parteien vor sich hertreibt und das politische Koordinatensystem deutlich nach rechts verschiebt. Die Verschärfung des ohnehin schon verstümmelten Rechts auf Asyl, Deals mit Staaten wie der Türkei, um Menschen auf der Flucht bereits an den Mauern Europas abzuwehren, sowie ein völkischer Diskurs innerhalb der gesamten Parteienlandschaft, um Wähler*innenstimmen zu generieren, sind nur wenige Beispiele hierfür. Mit der Vortragsreihe „Das Problem heißt Rassismus“ wollen wir uns mit den Ideologien beschäftigen, die diesen Zuständen zugrunde liegen. Weiter sollen Debatten innerhalb der radikalen Linken aufgegriffen und analysiert werden, um aus den gemachten Fehlern die Schlüsse ziehen, die für eine erfolgreiche antirassistische und antifaschistische Praxis nötig sind.

Antifra in die Offensive!

1. September 2016
Florian Eisheuer – Des Rassismus neue Kleider? Deutschland und die „Flüchtlingskrise“

Deutschland zündelt wieder. Das BKA zählte 2015 mehr als 1.000 Angriffe auf Unterkünfte von Geflüchteten. Die ideologische Bühne für die Gewalt wird durch eine neue Welle des Rassismus bereitet, die zwar von PEGIDA, der AfD und anderen Gruppierungen prominent getragen wird, allerdings auch, wie entsprechende Studien und Umfragen zeigen, weit über diese Kreise hinausgeht und teils erschreckende Zustimmungswerte in der Bevölkerung generiert.

Dreh- und Angelpunkt dieses Rassismus ist nicht das Gerede von einer Über- und Unterlegenheit verschiedener „Rassen“, sondern die Behauptung, die Grundpfeiler „arabischer Kultur“ und muslimischer Religion seien mit „deutschen Werten“ und „deutscher Kultur“ nicht vereinbar. In teils apokalyptisch anmutenden Szenarien wird nicht selten vor den drastischen Folgen einer kulturellen Vermischung gewarnt und der Untergang Deutschlands prophezeit.

Es handelt sich bei diesen neuerlichen Auswüchsen um einen Rassismus ohne dezidierte Rassentheorie. Wäre es in Anbetracht dessen vielleicht sinnvoller, statt von „Rassismus“ lieber von „Kulturalismus“ zu sprechen? Oder gar von „Islamophobie“? Handelt es sich um einen dezidiert neuen Rassismus, oder ist es nur eine umverpackte Neuauflage des Immergleichen?

3. November 2016
Massimo Perinelli – Critical Whiteness und das Ende der antirassistischen Bewegung

Seit mehreren Jahren können wir einen Verfall der antirassistischen Bewegung in diesem Land beobachten. In diese sowohl theoretische, politische wie bewegungspraktische Leerstelle konnten sich Theoreme entfalten, die aus akademischen Debatten um Postkolonialismus, Intersektionalismus und Gender-Studies stammen und sich vor allem auf Texte aus dem US-Kontext beziehen. Damit einhergehend beobachten wir Versuche, unter dem Label von Critical Whiteness die Reste der ehemals breiten antirassistischen Bewegung der letzten 20 Jahre aus einer akademischen Perspektive zu ordnen und darin zu bestimmen. Viele erleben dies als eine autoritäre Formierung der vormals vielschichtigen Ansätze und Praktiken. In dem Vortrag geht es um die Frage nach antirassistischen Strategien und Taktiken, die eine Perspektive auf die Überwindung gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse bieten können, statt diese in der permanenten Aufforderung nach persönlicher Positionierung spiegelbildlich zu verdoppeln.

Alle Vorträge beginnen um 19 Uhr im LiZe, Dahlienweg 2a.
Das Antifa Café hat bereits ab 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.