[Vortragsreihe] Antifa: Geschichte – Gegenwart – Zukunft

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Antifa: Geschichte – Gegenwart – Zukunft

Wahrscheinlich jede*r kennt das Symbol mit den zwei Fahnen und hat schon
einmal etwas von „der Antifa“ gehört. Aber was steckt dahinter? Was versteht man unter „Antifaschismus“ und wie ist die „Antifaschistische Aktion“ entstanden? Wie hat sich die Bewegung im Laufe der Jahre entwickelt und womit setzt sie sich aktuell auseinander? Mit der Vortragsreihe „Antifa: Geschichte – Gegenwart – Zukunft“ möchten wir zu der Klärung dieser grundlegenden Fragen und einem möglichst umfassenden Blick auf diese linksradikale Bewegung beitragen. Von den Anfängen in den 1920ern, über die glorreichen 1980er der „Autonomen Antifa“ bis hin zur aktuellen Krisendebatte.

Donnerstag | 7. April 2016 | 19:00 Uhr

Frank Engster – Antifa heißt…?! Zur Geschichte des (autonomen) Antifaschismus

Gesellschaftskritik ist in Deutschland mehr als in jedem anderen Land nicht nur durch die Auseinandersetzug mit der kapitalistischen Ökonomie bestimmt, sondern auch durch die Auseinandersetzung Faschismus, Nationalsozialismus und der Shoah. Der Anspruch radikaler Gesellschaftskritik war, die innere Beziehung zwischen Kapitalismus und Faschismus zu klären und beide in der theoretischen wie praktischen Kritik miteinander zu verbinden. Radikaler Antifaschismus war daher stets mehr als nur der Kampf gegen Nazis, er zielte auf die gesellschaftlichen Bedingungen und Ursachen des Faschismus in all seinen Erscheinungen.

Allerdings hat auch dieser radikale Antifaschismus eine lange und wechselvolle Geschichte. Er beginnt mit dem Kampf gegen den historischen Faschismus im Kontext der traditionellen Arbeiter_innenbewegung, und er beginnt unter anderen Bedingungen und Vorzeichen erneut in den 1970er Jahre, diesmal im Umfeld der sog. Neuen Sozialen Bewegungen und den K-Gruppen. Aus dieser „zweiten Phase“ entwickelte sich schließlich ein autonomer Antifaschismus, der mittlerweile schlicht unter Antifa firmiert. Die Antifa ist bis heute prägend für radikalen Antifaschismus und hat sich zu einer eingeständigen Praxis entwickelt, die mittlerweile auch außerhalb Deutschlands einflussreich geworden.

Donnerstag | 5. Mai 2016 | 19:00 Uhr

Nils Schumacher – „Alles muss man selber machen“? Kontinuitäten und Brüche selbstorganisierten Antifa-Engagements


„Autonome Antifas’, so heißt es in einem schon älteren Text, genossen innerhalb der Linken anfänglich den Ruf eines Torwarts in einer Fußballmannschaft. Zwar sagt es keiner laut, aber alle glauben zu wissen: er hat eine Macke.
Die ‚Macke’ der Antifa in den 1980er Jahren bestand nicht nur darin, auf Grundlage eines vergleichsweise hohen Organisie­rungs­grades eine überschaubare Neo-Nazi-Szene fast schon professionell zu verfolgen, sondern vor allem auch darin, die einge­schränkte Perspektive zum stra­te­gi­schen und politischen Ausgangs­punkt umfassender, im weitesten Sinne links­ra­di­kaler Forderungen und Zielsetzungen zu erklären. Angesichts der Wellen massiver rassistischer Gewalt Anfang der 1990er Jahre geriet dieses Bild allerdings ins Wanken, denn ‚Antifa’ wurde von einem Teilbereich zu einer, nicht zuletzt von Jugendlichen getragenen, breiten Bewegung. Sie blieb in Teilen zwar mit den Autonomen verbunden, war aber vor allem durch eine große Eigendynamik geprägt. Ab dem Ende der 1990er Jahre schlossen sich die Ausdifferenzierung in verschiedene Strömungen, Spaltungen und politische Abwendungen von Antifa-Praxis an.
Im Ergebnis dieser Entwicklungen steht der Name ‚Antifa’ seit einigen Jahren schon für sehr unterschiedliche politische Konzepte und praktische Schwerpunktsetzungen: für den Kampf gegen Nazis und „Rechtsextremismus“ in all seinen Spielarten, zum Teil für antirassistische Praxis, vielfach aber auch für ein thematisch allgemeiner ausgerichtetes linkes Engagement, für das ‚Antifa’ eher ein Label darstellt. Dieses Label verwenden ‚militante’ genauso wie ‚zivilgesellschaftlich’ orientierte Gruppen, ‚anti­deutsch’ geprägte genauso wie ‚inter­na­tio­na­lis­tische’ oder ganz pragmatisch ausge­richtete Initiativen. Ein gemeinsames organi­satorisches oder kommunikatives Band besteht nicht.
Aktuelle Literatur aus der „Bewegung“ beschreibt manche dieser Phasen unter Ge­sichts­punkten von Stärke, Durchsetzungsfähigkeit, klaren politischen Konzepten und ‚Erfolg’. Die Darstellungen sind allerdings stark geschönt, so dass eine Reihe von Fragen offen bleiben müssen:
Welche Strömungen und Gruppen ‚der Antifa’ repräsentieren diese Darstellungen eigent­lich und welche tauchen gar nicht auf? Wo liegen die widersprüchlichen Momente dieser Selbstbeschreibungen und der an sie anschließenden Praxisformen? Welche Antworten bieten die unterschiedlichen Ansätze angesichts einer sich aktuell ab­zeichnenden Welle rassistischer Gewalt, rechtspopulistischer Wahlerfolge und neona­zis­tischer Konsolidierung?
Aus Sicht der Protestforschung widmet sich der – illustrierte – Vortrag diesen drei Fragekomplexen.

Donnerstag | 5. Mai 2016 | 19:00 Uhr

Lothar Galow-Bergemann – AntiBa: der Barbarei entgegentreten! Antifaschismus in Zeiten von Djihadismus und Pegida.


Seit zwei Jahren explodieren Dumpfbackentum, Ressentiment und Barbarei. Im Sommer 14 skandierten Massenaufmärsche „Tod den Juden!“. Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit und in Europa häufen sich djihadistische Terroranschläge auf Juden und jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen. Viele verweigern sich ideologiekritischer Analyse dieser Vorgänge, weil sie andernfalls ihr eigenes Ressentiment hinterfragen müssten. Auch in Deutschland erzielen Rechtsreaktionäre erschreckende Wahlerfolge. Ein rassistischer und gewalttätiger Mob agiert gegen MuslimInnen und Flüchtlinge und erfreut sich klammheimlicher bis offener Zustimmung der „Mitte der Gesellschaft“. Der Wahnsinn marschiert.

Antifa, das ist ihr unschätzbares Verdienst, will in Zeiten, in denen leider keine Aussicht besteht, die Verhältnisse grundsätzlich zum Tanzen zu bringen, wenigstens den allerschlimmsten und barbarischsten Kräften in den Weg treten. So wichtig es bleibt, sich offenen Nazis entgegenzustellen – es liegt auf der Hand, dass der Kampf gegen sie allein nicht mehr ausreicht. Stiefel- und Nadelstreifennazis verbindet trotz des äußerlichen Gegensatzes im Kern eine enge Seelenverwandtschaft mit Djihadisten. Wer um ein Minimum an Menschenwürde und um Mindestvoraussetzungen für eine irgendwann vielleicht doch noch gelingende Emanzipation kämpfen will, muss sich der anschwellenden Front der Barbarei in all ihren Facetten entgegenstellen. Vor welchen Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art steht Antifaschismus heute? Wie hilfreich und wie problematisch ist die so genannte „Islamdebatte“? Können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder “Islamkritik“ die Problemlage erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Ist die Rede von „dem“ Islam zutreffend, der im Gegensatz zu „dem“ Christentum Humanität und Säkularität ausschließe? Wie ist ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Wie kann er praktisch werden?

Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. in Jungle World, konkret und auf www.emafrie.de


Die Vortragsreihe findet in Kooperation mit dem Kurt-Eisner-Verein statt.

Ort aller Veranstaltungen ist das „LiZe“ (Dahlienweg 2a) in Regensburg. Die Räumlichkeiten sind bis auf die Toiletten barrierefrei. Der Eintritt ist frei, Spenden freuen uns aber natürlich sehr.