[Vortragsreihe] „Neofaschismus in Europa“

Neofaschismus in Europa
Das alte, durch Hitler und Mussolini geprägte Bild des Diktators der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist tot; Ihre AnhängerInnen und die vertretenen Ideologien leider nicht. Reaktionäre Einstellungen scheinen in vielen Ländern Europas gerade in Zeiten der Krise im Kapitalismus ein Revival zu erleben. Extrem Rechte Kräfte finden darin oft einen fruchtbaren Nährboden. Jedoch ist es zu kurz gegriffen, politische und ökonomische Krisen alleine für diese Entwicklungen verantwortlich zu machen. Unsere Vortragsreihe „Neofaschismus in Europa“ will daher einen Beitrag zur Aufklärung über faschistische AkteurInnen und Tendenzen in Deutschland, Italien, Griechenland und der Ukraine leisten.


7. Oktober 2015 | 19 Uhr
Jan Nowak – Die Neonazipartei „Der III. Weg“ – Resterampe, Szenehoffnung, Wahlpartei?

Die neonazistische Partei „Der III. Weg“ hat in Bayern das Erbe des verbotenen „Freien Netz Süd“ angetreten, ist jedoch auch in anderen Bundesländern aktiv. Wie steht es um die Strukturen der Neonazipartei und wie könnte die Gesamtorganisation charakterisiert werden? Mit welchen Themen und Aktionsformen tritt sie aktuell in die Öffentlichkeit und welche Faktoren beeinflussen ihr Handeln? Welche Rolle spielt sie beispielsweise bei rassistischen Mobilisierungen, die ihren Ausdruck immer wieder auch in Angriffen auf Flüchtlinge oder Anschlägen gegen Flüchtlingsunterkünfte finden? Im Vortrag soll diesen Fragen nachgegangen werden, ebenso besteht die Möglichkeit zur Diskussion.


4. November 2015 | 19 Uhr
John Malamatinas – Goldene Morgenröte

Bei den Parlamentswahlen im Juni 2012 erreichte „Chrysi Avgi“ den Einzug in das griechische Parlament. Darüber hinaus kam es zu einem Anstieg rassistischer Angriffe und rassistischer und diskriminierender Politik seitens des Staates. Nährboden für ihren Erfolg ist sicher nicht nur, wie oft kommentiert, die Verschärfung der ökonomischen und politischen Krise in Europa, sondern vor allem auch weit verbreitete reaktionäre Einstellungen in der sogenannten gesellschaftlichen Mitte Griechenlands. Erst die Ermordung eines Antifaschisten sorgte für die sukzessive Verdrängung der Partei aus der Öffentlichkeit, wozu momentan auch ein Verfahren gegen die Parteioberen läuft. Aber die Bemühungen des griechischen Staates um ein Verbot der Partei scheinen ins Stocken zu geraten. Was sind die Gründe für den rasanten Aufstiegs der „Goldenen Morgenröte“? Wie sieht es mit dem rassistischen Normalzustand in der griechischen Gesellschaft und den Erfolgschancen eines Verbotsverfahrens aus?


2. Dezember 2015 | 19 Uhr
Heiko Koch – Casa Pound Italia

Seit 10 Jahren existiert die populistische Bewegung CasaPound Italia. Ihre Wurzeln sieht sie im historischen Faschismus zu Beginn der 1920er Jahre; in der Zeit als der italienische Faschismus noch nicht Regime, sondern eine Bewegung mit revolutionärem Anstrich war und sich mit Terror und Gewalt den Weg zur Macht ebnete. Die Anhänger CasaPounds nennen sich »i fascisti del terzo millennio«, die Faschisten des 3. Jahrtausends. Sie agieren mit aggressiv vorgetragenen Sozialforderungen, vordergründigem Anti-Kapitalismus und national-revolutionären Parolen. Von Subkulturen und der radikalen Linken adaptierte Aktionsformen, jugendgerechtes Auftreten, popkulturelle Ästhetik und Lifestyle lassen von CasaPound das Bild einer vielfältigen und dynamischen Bewegung entstehen, die jedoch nach innen straff autoritär geführt wird.


6. Januar 2016 | 19 Uhr
Larisa Schulz – Ukraine nach dem Maidan

Unterschiedlichen (Verschwörungs-)Theorien zufolge sind wahlweise der Westen, die EU, Putin, die NATO oder die USA seit 2013 eifrig dabei, einen Keil in die ukrainische Gesellschaft zu treiben. Hier wird dann gern übersehen, dass die Bevölkerung sich längst an der Frage gespalten hat, ob die Ukraine jetzt eigentlich Opfer des Stalinismus oder Sieger über den deutschen Faschismus ist beziehungsweise ob der „Unabhängigkeitskämpfer” Stephan Bandera als Volksheld oder als Nazikollaborateur zu gelten hat. Der eklatante Mangel an Informationen darüber, wer seit Januar 2014 für verschiedene Kampfhandlungen inklusive Todesschüsse verantwortlich ist, führt zu verschwurbelten Verschwörungstheorien, bringt aber auch Menschen mit ansonsten seriösen Forschungsansätzen zu kruden Ansichten und absurden Aussagen. Die derzeitigen kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine werden von einem Kampf um Meinungshoheit und Deutungshoheit flankiert. Und Deutungshoheit heißt hier insbesondere zu definieren, wer der Nazi ist. Dabei herrscht noch Uneinigkeit, ob nur Nazis auf dem Maidan waren oder ob die Protestierenden auf dem Maidan nicht zu „gute Beziehungen zur amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft” pflegten. Leider wenig überraschend lässt sich am Beispiel der Ukraine zeigen: Wer sich nicht von Nazis distanziert, provoziert eine extrem rechte Hegemonie.


In Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Bayern – Kurt Eisner Verein

Alle Termine finden im LiZe statt. (Dahlienweg 2a, 93053 Regensburg)